So kann die Gentherapie helfen
Heute werden in der Medizin traditionelle, auf Proteine einwirkende Medikamente verwendet, um Krankheiten zu kontrollieren oder zu behandeln. Die Gentherapie dagegen setzt bei den Genen an, die die Proteine codieren, und nutzt die Gene somit dazu, Krankheiten zu behandeln oder eines Tages sogar zu verhindern.
Gene können auf verschiedene Arten in Zellen eingebracht werden. Spark Therapeutics konzentrierte sich von Anfang an auf adeno-assoziierten Virusvektoren (AAV-Vektoren), die auf einem natürlich vorkommenden Virus basieren. Virusvektoren nutzen die Fähigkeit eines Virus, in Zellen einzudringen, und transportieren dabei das therapeutische Gen. AAV bieten sich als Transportvehikel für das Einbringen von Genen an, da sie als sicher und stabil gelten und die Zellen intakt belassen.
Eines Tages könnte die Gentherapie zum gängigen Verfahren werden, bei dem der menschliche Körper selbst als Produktionsstätte für von uns entwickelte therapeutische Proteine genutzt wird. Anstelle einer Herstellung von Proteinen in großen High-Tech-Produktionsanlagen durch Unternehmen wie Roche könnten Proteintherapien auf hyperlokaler Ebene beispielsweise in der Leber oder den Gliazellen im Gehirn „produziert“ werden.
„Die Gentherapie eröffnet potenziell die Möglichkeit, den menschlichen Körper als eigene, spezialisierte Biofabrik zu nutzen. Das bedeutet, wir können programmierte Gene zur Produktion von Protein- und Antikörpertherapien gegen chronische Erkrankungen nutzen“, sagt Sylke Poehling, Senior Vice President, Global Head, Therapeutic Modalities, Roche Pharma Research & Early Development. „So denken wir darüber nach, wie wir uns gegenseitig ergänzen und die Grenzen unserer derzeitigen Aktivitäten erweitern können.“
Prävention als Investition
Doch bahnbrechende Medikamente sind nicht nur ein zukunftsweisender Schritt für die Wissenschaft, sondern erfordern auch ein Umdenken mit Blick auf die Kosten und einen Wandel von reaktiven hin zu proaktiven Gesundheitslösungen wie der Gentherapie. In den meisten heutigen Gesundheitssystemen findet die Diagnose und Behandlung von Patienten in einem späteren Krankheitsstadium statt und beruht auf Therapien für chronische Erkrankungen.
„So ist es bei einem Koronararterien-Bypass oder einer Blinddarmoperation, doch in Zukunft wird es die Genchirurgie geben und der Eingriff kann früher erfolgen“, sagt William Pao, Global Head, Roche Pharma Research & Early Development. „Das erweitert unsere Vorstellung von dem, was wir als Arzneimittel kennen, und hat weitreichende Folgen für das Gesundheitssystem, was die einfache Handhabung und den Zugang zur Therapie, aber auch die Wirtschaftlichkeit der Therapie angeht.“
Die Kosten der Gesundheitsversorgung – nicht nur in finanzieller Hinsicht, sondern auch was die Lebensqualität des Patienten angeht – verteilen sich traditionell über mehrere Jahre (manchmal Jahrzehnte) mit Behandlungen oder Operationen. Die Gentherapie kann diese Situation umkehren und die Kosten für die Diagnose, Heilung oder Prävention vorwegnehmen, als Investition in die Reduzierung chronischer Erkrankungen und eine bessere Lebensqualität in der Zukunft. Hierzu ist die Zusammenarbeit mit Gesundheitssystemen weltweit erforderlich, um innovative Zahlungsmodelle zu ermöglichen, die sicherstellen, dass die vielversprechende Wissenschaft der Gentherapie schließlich beim Patienten ankommt.
„Unsere Vision ist eine Welt, in der kein Leben durch eine genetische Erkrankung eingeschränkt ist. Um an diesen Punkt zu gelangen, müssen wir das gesamte Potenzial der Gentherapie erschließen“, so Jeff Marrazzo.
„Dazu prüfen wir Möglichkeiten, unsere derzeitige Pipeline zu erweitern, denn ihr Schwerpunkt liegt momentan auf monogenen Erkrankungen – Erkrankungen, die durch eine Variation eines einzelnen Gens verursacht werden – und auf drei Hauptgeweben, nämlich Auge, Leber und dem zentralen Nervensystem“, sagt Federico Mingozzi.
Das Ziel für die Zukunft? Die Pipeline soll nicht nur auf andere therapeutische Bereiche ausgeweitet werden, sondern auch auf komplexere Erkrankungen, bei denen mehrere Gene jeweils einen kleinen Teil des Risikos ausmachen und die auf Varianten basieren, die in der Bevölkerung häufig vorkommen. Im Endeffekt, so Federico Mingozzi, geht es darum, mehr Gentherapien für mehr Patienten zur Verfügung zu stellen, um die klinischen Ergebnisse grundlegend zu verbessern und schlussendlich auch das Gesundheitswesen zu revolutionieren.